Päckli-Aktion - Was die Feuerwehrmänner von Ruscova von Charly Stoecklin lernten
Eine alte Pumpe die viel bewegt

19. November 2007 (Zürichsee-Zeitung)
Die Geschichte der Feuerwehr von Ruscova hört sich an wie ein Märchen. Unter der Aufsicht des Männedörfler Feuerwehrmanns Charly Stoecklin ist sie am Samstag getestet worden.
Lucien Scherrer/Anna Moser, Ruscova
Das kannten sie bis anhin nur aus dem Film: Kommandant Sacha (ganz links) und seine Männer an den Schläuchen, instruiert von Charly Stoecklin.
Die Feuerwehrmänner von Ruscova sind überpünktlich. Bereits fünf Minuten vor dem vereinbarten Treffen rattern sie, zu zehnt auf einem Tranktor sitzend, auf den Hof. Im Schlepptau den Stolz des ganzen Dorfes:

«Noch nie derart motivierte Feuerwehrmänner erlebt»:
Nach getaner Arbeit geht es mit dem Traktor zum Kaffee.
Doch die eigentliche "Prüfung" steht noch bevor. Am Ufer der Ruscova, die durch das gleichnamige Dorf fliesst, stehen die Feuerwehrmänner knietief im Wasser. Auf Rumänisch rufen sie sich Anweisungen zu. Erst zum zweiten Mal üben sie mit ihrer "neuen" Pumpe - doch die Handgriffe scheinen zu sitzen: Einer hebt und senkt den Gashebel, einer schliesst die Schläuche an, ein anderer sitzt am Drehhahn, vier stehen an den Spritzen. Der Motor dröhnt, Wasser zischt aus dem Abgasrohr. Dann plötzlich füllen sich die auf dem lehmigen Boden liegenden Schläuche, Meter für Meter dringt das Wasser vor, bis es schliesslich zuvorderst in hohem Bogen aus den spritzen schiesst. "Gut macht ihr das!", ruft Instruktor Stoecklin dem Kommandanten zu. Die vier Männer strahlen - und lassen ihre Goldzähne aufblitzen.
Bestand mehr als verdoppelt
Einer habe ihn gefragt, erzählt Charly Stoecklin später, ob er denn mit der Motorspritze auch Wasser aus einem 200-Liter-Bottich pumpen könne. "Die 200 Liter wären in einer Sekunde hindurch", sagt der Männedörfler lächelnd. Für die Männer aus Ruscova sind das neue Dimensionen. Bis vor kurzem waren sie es gewohnt, Brände mit kommunen Eimern zu bekämpfen. Die "Mannschaft" bestand damals aus drei Leuten. Seit die Pumpe da ist, hat sich der Bestand mehr als verdoppelt. "Für euch ist das nur eine alte Pumpe", sagt der Kommandant, "aber für uns ist sie wie neu." Dass die Feuerwehr von Ruscova Zulauf hat, hat einen weiteren Grund: Sie ist die einzige Feuerwehr in der Umgebung, die dank einer Lieferung von Hermann Rauber Uniformen zu bieten hat. Sowas kannte man in Ruscova bisher nur aus Filmen. Das erfüllt die Männer mit Stolz - und wirkt sich auf die Moral aus: "Ich habe noch nie Feuerwehrmänner gesehen, die mit derart viel Freude und Elan bei der Sache sind", sagt Stoecklin. Auch die Dorfbewohner kommen aus dem Staunen nicht heraus: Mit offenen Mündern beobachten sie, wie ein brennender Autoreifen aus 20 Meter Entfernung gelöscht wird: einige filmen die Szene mit ihrem Handy."Ohne Schweiz läuft hier zero"
Der Bürgermeister, den alle nur Roman nennen, lädt die ganze Mannschaft zu einem Kaffee ein. "Das ist das Schöne hier", sagt Hermann Rauber, "diese Herzlichkeit, diese Gastfreundschaft." Im Café steht Rauber, der sich während der Uebung im Hintergrund gehalten hat, im Mittelpunkt. Die Feuerwehrmänner nennen ihn halb spass-, halb ernsthaft den "Chef". Obwohl es ihm, wie er immer wieder betont, zuwider ist, sich in den Vordergrund zu drängen. So hat er sich erst nach Jahren dazu erweichen lassen, die Ehrenbürgerschaft von Ruscova anzunehmen. "Ohne Schweiz läuft hier zero, gar nichts", sagt Sacha, der Kommandant. Dann, mit einem Blick auf den "Chef", präzisiert er: "Ich meine, ohne Herrn Hermann." Rauber sitzt auf seinem Stuhl und geniesst es. In solchen Mo9menten scheint er einen stillen Triumph zu feiern über all jene, die ihm zu Hause weismachen wollen, dass er "da unten" eh nichts ausrichten könne. Wie hatte er vor ein paar Stunden gesagt? "Wenn du einen Stein in einen ruhigen See wirfst, zieht er Kreise, die immer grösser werden." Er strahlt übers ganze Gesicht und stubst Charly Stoecklin in die Seite: "Siehst du, wir haben doch etwas in Bewegung gesetzt."

Eine Pumpe, die verbindet: Das «Erbstück» vom Zürichsee wird neuerdings mit dem Wasser der Ruscova bedient.
Wo Feuerwehrmann draufsteht, ist auch Feuerwehrmann drin: Alexandru Rosus hält sein Namensschild in Charly Stoecklins Kamera. (Anna Moser)
